Dies ist die Geschichte von Justice, einem Ochsen, aus dem einmal Bio-Rindfleisch werden sollte.
Justice betrachtet uns in aller Seelenruhe, während wir uns langsam dem Weideplatz nähern, auf dem er es sich an diesem Nachmittag gemütlich gemacht hat. Genau genommen betrachtet er uns nicht einfach nur, er sieht uns an: Seine Augen treffen unsere und halten den Blick. Er hat eine eindeutige, klar erkennbare Intelligenz in seinen Augen und einen Blick, als würde er uns etwas sagen wollen.
Michele, sein Betreuer, erzählt uns seine Geschichte:
Justice, ein junger Ochse, der im Alter von anderthalb Jahren dazu bestimmt war, zu Bio-Schnitzel verarbeitet zu werden, war gerade auf dem Weg zum Schlachter, als er aus dem Transportfahrzeug ausbrach und losrannte. Was ihm dann das Leben rettete, war eine Gruppe von Wildhütern, die mit einem Betäubungsgewehr auf ihn schossen und die damit – aufgrund der seitdem in seinem Kreislauf befindlichen Medikamente – sein »Fleisch« für den menschlichen Verzehr unbrauchbar machten. Andernfalls wäre er wieder eingefangen, verladen und ins Schlachthaus gebracht worden.
Als Justice erstmals auf dem Lebenshof ankam, war er sehr verängstigt, denn das einzige andere Mal, bei dem er in einem Anhänger gewesen war, war auf seiner Fahrt ins Schlachthaus – und so wehrte er sich mit vollem Körpereinsatz. Indem er im Anhänger wild um sich schlug, um herauszukommen, brach er sich schließlich auch sein linkes Horn ab. Sherman, ein anderer Stier, der zu diesem Zeitpunkt auf dem Hof lebte, ging auf ihn zu und begann, ihn durch den Zaun hindurch abzulecken und zu beruhigen. Justice hat sich das gemerkt und er selbst macht es seither bei jedem Neuankömmling.
Immer wenn Neulinge auf den Hof kommen, weiß Justice, ob sie wirklich verängstigt sind, und das vollkommen unabhängig davon, welcher Tierart sie sind – ob Ziege, Schaf, Truthahn oder was auch immer. So wusste er es z.B. auch beim Schaf Rowdy, der furchtbare Angst hatte, als er hierher kam. Er hatte so sehr im Anhänger gezittert, dass das ganze Ding wackelte, und er hatte sich schier die Seele aus dem Leib geschrien, bis Justice den Hügel hinauf gestürmt und ihm zu Hilfe kam.
Wir bringen die Neuankömmlinge immer erst in den Hühnerhof, da er einerseits sicher verschlossen ist, andererseits aber trotzdem einen 360-Grad-Blick auf das Geschehen im Lebenshof ermöglicht. So ließen wir auch Rowdy in den Hof, wo er mit großem Geschrei umher rannte. Dann kam Justice, der sich einfach nur auf der anderen Seite direkt neben den Zaun stellte. Als auch die Ziegen allesamt herüber kamen, um den Neuen in Augenschein zu nehmen, wusste Justice, dass dies Rowdy nervös machte, und so drehte er sich um und ging ein paar Schritte auf die Ziegen zu, ganz so, als wollte er sagen: »Leute, tretet doch mal ein bisschen zurück – ihr könnt gerne zuschauen, aber ihr seid gerade etwas zu viel für ihn« – und schon entfernten sich die Ziegen.
Nachdem Justice zum Zaun zurückgekehrt war, kam Rowdy zu ihm, obwohl er noch nie im Leben Rinder gesehen hatte. Er stand direkt neben Justice, auf der anderen Seite des Zauns, und hörte auf zu schreien. Seite an Seite stehend, verbrachten sie so die ganze Nacht. Ich brachte ihnen Futter und Wasser, doch sie haben es nicht einmal berührt, stattdessen blieb Justice die ganze Nacht hindurch am Zaun stehen. Er blieb am Zaun bei Rowdy, dem es am nächsten Tag wieder gut ging.
Dasselbe machte Justice für die Lamas, als sie hierher kamen. Er ist ja so ein Guter. Wenn die Neulinge zu uns kommen, geht Justice einfach zu ihnen hin und beruhigt sie und ich bin mir sicher, dass er das tut, weil Sherman es damals für ihn getan hat.
Selbst wenn die kranken Tiere hierher kommen, die hier nichts mehr weiter tun können, als zu sterben – allerdings im Frieden zu sterben, im größtmöglichen Frieden -, ja selbst wenn diese Tiere auch niemals an den Punkt gelangen, an dem sie uns Menschen vertrauen, so nehmen sie doch die Schwingungen der anderen Tiere auf. Sie nehmen den Frieden auf, und gerade Justice ist einer von denen, der ihnen diesen Frieden vermittelt.
Das Beste, was wir in solchen Situationen tun können, ist uns zurückhalten. Sie wissen schon damit umzugehen. Wir sind bloß Menschen. Ich lerne jeden Tag etwas Neues von ihnen und wenn mir das klar wird, frage ich mich: »Warum hab‘ ich das nicht gewusst? Warum kommt mir erst jetzt diese Erleuchtung? Sie wissen so viel mehr als wir.«
Vielleicht ist ja das, was wir in Justices Augen sehen, Mitgefühl.
— Diane Leigh
Diese und weitere Geschichten von Tieren, die es auf einen Lebenshof in den USA geschafft haben, finden Sie in dem Buch Ninety-Five: Meeting America’s Farmed Animals in Stories and Photographs, das es bislang nur auf Englisch gibt.
Mit Antoine F. Goetschels »Tiere klagen an« erschien kürzlich das Buch eines Mannes, der sich bereits seit drei Jahrzehnten für einen rechtlich fundierten Tierschutz einsetzt und der in der Vergangenheit insbesondere durch seine dreijährige (2007-2010) Amtstätigkeit als Tieranwalt im Kanton Zürich mit teils Aufmerksamkeit erregenden Prozessen in Erscheinung trat. Im Folgenden werden wir einen kurzen Überblick über die wichtigsten Thesen und Inhalte des zehn Kapitel starken und 272 Seiten langen Buches geben.
Tierschutz! Aber auf welcher Basis?In seinem Vorwort äußert Antoine F. Goetschel die Absicht, seinen Lesern einen ganz speziellen, u.a. auf seinen berufspraktischen Erfahrungen gründenden Zugang zum Thema Tierschutz zu bieten. Darüber hinaus will er mit seinen Ausführungen aber auch verunsichern und zur erneuten Reflektion verfestigter Ansichten aufrufen. Und so wird bereits im ersten Kapitel von »Tiere klagen an« ein möglicher Ansatz für Tierschutz komplett verworfen, der von einigen Lesern vielleicht bisher kaum in Frage gestellt wurde: Laut Goetschel kann Tierschutz nur dann effektiv betrieben und vor allem auch vorangetrieben werden, wenn nicht die Tierliebe als Basis für Tierschutzdiskussionen angesetzt wird (»Macht erst meine Liebe das Tier zu einem wahrnehmbaren Wesen? Und dadurch zu einem schützenswerten Leben? Klares Nein.«). Und auch ganz allgemein sei eine Herangehensweise, wie sie sich bei einigen »emotional hochengagierten Tierschützern« zeigt, eher weniger empfehlenswert, da die emotionalen Standpunkte unterschiedlicher Menschen »letztlich sowieso nicht diskutierbar« seien. Stattdessen empfiehlt Goetschel ein rationales Vorgehen und hebt als Grundlage für richtiges menschliches Verhalten gegenüber Tieren und für eine möglichst objektive Diskussion über Tierschutz ein Kriterium hervor, »das unabhängig von uns besteht – also beispielsweise nicht in unserer Zuneigung -, sondern den Tieren allgemein, vielleicht sogar allen Lebewesen zugestanden wird.« Welches Kriterium gemeint ist, wird schnell benannt: die Würde.
Die Würde des Tieres als Grundlage menschlichen HandelnsGoetschel erklärt: »Der Begriff der Integrität oder der Würde des Tieres umfasst […] viel mehr als lediglich die Abwehr von Leid oder Schmerzen.« Losgelöst von einer »individuellen Beurteilung«, den »persönlichen Interessen« und der »willkürlichen Entscheidung« eines einzelnen Betrachters über das Wohlergehen eines Tieres, lasse sich mit diesem Begriff auch dort noch wirkungsvoll arbeiten, wo tierethische Argumentationen, »die das Wohlempfinden der Tiere in den Mittelpunkt« stellen, bereits an ihre Grenzen gelangen. In tierethischer Hinsicht schließt sich Goetschel damit einer erweiterten biozentrischen Position an, die fordert, »dass man das Tier in seiner Gesamtheit wahrnimmt und ihm nicht nur einen Anspruch auf Wohlergehen zubilligt, sondern ihm Integrität, also eine Art Eigenwert zugesteht.« Gleichzeitig geht er aber weit über die bloße Einnahme einer philosophischen Position hinaus: Zum einen, indem er vor allem im vorletzten Kapitel seines Buches explizit fordert, den Begriff der »kreatürlichen Würde« ins Grundgesetz aufzunehmen. Zum anderen, indem er mit praktischen Vorschlägen aufzeigt, wo genau im Gesetz der geforderte Begriff zur Verbesserung des Tierschutzes verankert werden könnte und welche weiteren Inhalte und rechtlichen Geltungsbereiche mit diesem Begriff verknüpft werden müssten.
Dimensionen menschlichen Umgangs mit TierenWeshalb der Tierschutz überhaupt verbessert werden muss und in welchen Maßen die Würde der Tiere gegenwärtig angegriffen wird, macht Goetschel im Anschluss an eine wertvolle Erörterung der Frage, »wonach wir den Wert der Tiere bestimmen«, mehr als prägnant deutlich. In insgesamt sechs Kapiteln werden mithilfe des Maßstabs der Instrumentalisierung u.a. die Zu- und Missstände in der industriellen Massentierhaltung faktenreich aufgezeigt und Themen wie Tierversuche, Tierzucht, Haustierhaltung sowie Tierhaltung im Zoo und im Zirkus fundiert und mit klaren Worten abgehandelt. Und auch vor heikleren und in der öffentlichen Diskussion meist ausgesparten Themen wie der Zoophilie (sexueller Missbrauch von Tieren) macht Goetschel nicht halt. Selten sind die vielen unterschiedlichen und erschreckenden Dimensionen des menschlichen Umgangs mit Tieren so verständlich-kompakt und zugleich detailreich zusammengefasst worden.
Jeder kann handeln: mit Worten und TatenDas Hauptanliegen, das Goetschel mit seinen Ausführungen verfolgt, ist, für eine Aufnahme des Begriffs der Würde vor allem auch ins deutsche Grundgesetz zu plädieren (Info: das weltweit bisher einzige Land, das diesen Begriff in seine Verfassung aufgenommen hat, ist seit 1992 die Schweiz). Daneben macht er aber auch deutlich, wie hilfreich für den Tierschutz die Einführung eines Tieranwalts-Amts wäre, ein Amt, das es bis zu seiner Abschaffung im Jahr 2010 bisher allein in der Schweiz gab. Und auch auf die von Seiten des Tierschutzes seit langem geforderte Einführung eines Verbandsklagerechts für Tierschutzorganisationen macht Goetschel, wenn auch leider nur sehr kurz und mit wenig Nachdruck, aufmerksam. Doch betont er – u.a. mit praktischen Handlungshinweisen und griffigen Argumentationshilfen – erfreulicherweise auch, dass letztlich ein jeder entscheidend dazu beitragen kann, »dem Tier in Recht und Gesellschaft eine bessere Position zu verschaffen«. Dabei geht Goetschel sogar soweit, nicht nur juristischen Experten, sondern auch einem jeden Menschen »mit Verantwortungsbewusstsein«, der sich für eine »deutliche Veränderung der bestehenden Gesetzeslage, vor allem in Deutschland« einsetzt, den Begriff des Tieranwalts zuzugestehen.
Fazit zu »Tiere klagen an«: eine PerspektivenerweiterungLassen es die Herkunft des Autoren und der Titel seines Buches bereits vermuten, so wird schon nach wenigen Seiten Lektüre klar: »Tiere klagen an« ist kein weiteres populäres Sachbuch, das sich rund um die ethischen Aspekte der menschlichen Ernährung aufbaut, und auch kein Werk eines reinen philosophischen Theoretikers. Es ist das Buch eines äußerst sachkundigen Praktikers, der den generellen Bedarf sowie die reellen Möglichkeiten und Chancen ermittelt, Tieren eine bessere rechtliche Stellung in unserer Gesellschaft einzuräumen. Dass Antoine F. Goetschels Buch durchaus auch Potential bietet, zu provozieren – warum spricht sich der Autor beispielsweise nicht mit Entschiedenheit gegen den Konsum von Tierprodukten aus? –, soll an dieser Stelle keineswegs verschwiegen, doch auch nicht allzu stark kritisiert werden. Denn letztlich wird Goetschel mit seinen Überlegungen als erfahrener Anwalt die Tierschutzdiskussion allein schon insofern vorantreiben, als dass er z.B. bei vielen Lesern, die zumeist »nur« von einem ernährungsethischen Standpunkt ausgehen, für einen Perspektivenwechsel sorgen wird – einen höchst erkenntnisreichen, lohnenswerten Wechsel.
Verlosung und portofreies BestellenErfreulicherweise stellt uns der Scherz Verlag fünf Exemplare von »Tiere klagen an« zur Verlosung zur Verfügung. Um daran teilzunehmen, schreiben Sie uns einfach nur bis zum 23.05.2012 eine E-Mail mit Ihrer vollständigen Anschrift und dem Betreff »Verlosung« an tiere-klagen-an@albert-schweitzer-stiftung.de.*
Wenn Sie nicht warten möchten, können Sie das Buch auch gleich portofrei online bestellen. Dabei kommen wie bei allen buch.de-Bestellungen, die von unserer Seite ausgehen, 8,5% des Bestellwerts unseren Projekten zugute, ohne dass Sie auch nur einen Cent mehr zahlen müssen.
*MitarbeiterInnen der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt sind von der Verlosung ausgeschlossen. Nach Abschluss der Verlosung werden sämtliche Daten gelöscht. Eine Weitergabe oder sonstige Nutzung findet nicht statt.
Die Überfischung ist schon viel weiter fortgeschritten als bislang angenommen. Zu diesem schockierenden Ergebnis kommt eine neue Studie mehrerer Fischereibiologen, in der sich die Autoren der Thematik methodisch sinnvoller annehmen als bislang üblich.
Kurz vorweg: Die Welternährungsorganisation FAO beurteilt alle zwei Jahre den Zustand der weltweiten Fischbestände, betrachtet dabei allerdings nur die Bestände, zu denen es besonders ausführliche Informationen gibt (etwa 20%). Das sind in der Regel auch solche, die besonders hohe »Erträge« bringen und den Fischfang besser verkraften als andere Bestände. Wenn man mit solchen Daten Hochrechnungen anstellt, kommt man laut der Fischereibiologen zu unrealistisch guten Ergebnissen, denn die verbleibenden 80% spielen aufgrund der komplexen Zusammenhänge im Meer eine entscheidende Rolle. Blendet man die 80% aus, kann man daher auch nur schlecht Prognosen über die weitere Entwicklung der Fischbestände abgeben.
Die Biologen rund um Dr. Rainer Froese vom Kieler Exzellenzcluster »Ozean der Zukunft« haben im Gegensatz zur FAO alle weltweit verfügbaren Daten ausgewertet. Dabei kommen sie, wie oben erwähnt, zu Besorgnis erregenden Ergebnissen: Nicht 3% der Fischbestände sind inzwischen zusammengebrochen, sondern 24%. Weitere 33% sind als »überfischt« zu bewerten.
Die einzig ernstzunehmende Lösung gegen ÜberfischungAls Verbraucher mag man sich nun vornehmen, nur noch Fisch mit Nachhaltigkeitssiegel zu kaufen. Doch das ist der falsche Weg, wie eine weitere Studie zeigt: Danach sind 39% der Fischbestände des vom WWF geförderten MSC-Siegels als »überfischt« zu bewerten. Das Siegel wird also offenbar den eigenen Kriterien nicht gerecht.
Wie können wir also das Problem der Überfischung lösen? Nüchtern betrachtet liegt es auf der Hand: Wenn der Fischkonsum generell zu hoch ist, kann es langfristig nichts bringen, den Konsum auf die bislang stabilsten Arten umzulenken, da diese früher oder später auch kollabieren werden. Die einzig ernstzunehmende Lösung gegen die Überfischung ist es daher, weniger oder am besten keinen Fisch zu essen. Die Organisation fair-fish, die uns auf die beiden o.g. Studien hingewiesen hat, geht davon aus, dass das Maximum bei einer Fischmahlzeit pro Monat liegt. Solange sich die wenigsten Menschen daran halten und/oder wenn man das Leid der Fische in Erwägung zieht, ist es sinnvoll, keinen Fisch zu essen.
Gesund ohne FischFisch wird manchmal noch wegen seines Omega-3-Gehalts als gesund angepriesen. Dabei wird aber übersehen, dass die zunehmende Verschmutzung der Meere auch an den Wildfischen nicht spurlos vorbei geht. Funde von Schwermetallen sind keine Seltenheit. Auch die Aquakulturen sind u.a. wegen ihres hohen Antibiotikabedarfs keine Lösung. Omega-3 erhalten Sie z.B. auch über Walnüsse, geschrotete Leinsamen bzw. Leinsamenöl und Algenprodukte. Über Algen beziehen übrigens auch die Fische ihr Omega-3. Algen eignen sich als Quelle besser als Fische, da sie tendenziell viel weniger Schadstoffe enthalten (diese reichern sich im Laufe der Zeit in den Fischen an). Mehr Gesundheitstipps erhalten Sie z.B. über unseren Gratis-Ernährungsnewsletter, der etwa alle 14 Tage erscheint.
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Im Rahmen des vom Deutschen Kinderhilfswerk initiierten und von uns kooperierend begleiteten Förderprogramms »Fit für gesundes Aufwachsen« fand am 4. und 5. Mai in Berlin ein Workshop für die Vertreter von insgesamt zwölf prämierten und aus ebenso vielen Bundesländern stammenden Ernährungsprojekten statt. Unter fachkundiger Anleitung vom veganen Spitzenkoch Björn Moschinski wurde dabei nach unserer Aktion im Januar bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr mit einer Gruppe von Kindern und Jugendlichen beim Babel e.V. gekocht.
Aufgrund des angenehmen Wetters konnte die Kochveranstaltung diesmal unter einem Pavillon im schönen und geräumigen Gartenbereich des Vereins stattfinden. Gekocht wurde als Vorspeise eine erfrischende Gurkenkaltschale, als Hauptspeise die bei Kindern immer wieder sehr beliebte Spaghetti Bolognese und als Nachspeise Brownies mit Puderzucker und Erdbeeren. Die rundum begeisterten Kinder und Jugendlichen hatten dabei viel zu tun: es mussten Nahrungsmittel erkannt und benannt, Zutaten vorbereitet und die Gerichte zubereitet werden, aber auch das Anrichten und Servieren der Speisen an die Tische der mit Spannung wartenden Gäste (die Vertreter der Ernährungsprojekte) musste bewältigt werden. Das eindeutige Fazit der veganen Nachwuchsköche: »Lecker!« und »das hat Spaß gemacht!«.
Bilder vom veganen Kochkurs für KinderKlicken Sie auf den rechten Bildrand, um weiterzublättern.
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Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) betrug die Zahl der weltweit an Diabetes erkrankten Menschen im Jahr 2011 rund 346 Millionen. Mit gut 90% aller Diabetiker waren dabei vor allem die Menschen von der Stoffwechselkrankheit betroffen, die am sogenannten Typ-2-Diabetes erkrankt sind. Die internationale Diabetes-Vereinigung (IDF) nennt für das Jahr 2011 sogar 366 Millionen Diabetiker. Einig sind sich die WHO und die IDF darin, dass die Zahl der an Diabetes erkrankenden Menschen in den nächsten Jahren weiterhin dramatisch steigen wird, wobei die IDF mit 552 Millionen Diabetikern im Jahr 2030 rechnet. Insgesamt gesehen sind diese Zahlen wohl mehr als alarmierend, erhöht sich das Risiko für Herzkreislauferkrankungen, Bluthochdruck, Nierenerkrankungen und Amputationen bei bestehendem Diabetes doch eklatant. Die WHO rechnet daher für das letztgenannte Jahr auch lieber gleich mit diabetesverursachten Todesfällen und sagt diesbezüglich eine Zahl von 6,8 Millionen voraus.
Diabetes in Deutschland und die Ursachen für Typ-2-DiabetesWie aus dem »Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2011« hervorgeht, leben allein in Deutschland derzeit knapp 8 Millionen Diabetiker, die überwiegende Mehrheit von ihnen – dem weltweiten Befund entsprechend – am Typ-2-Diabetes leidend. Als Auslöser für diesen Diabetestyp gilt, neben einem unzureichenden Maß an Bewegung, vor allem eine auf hohem Fettkonsum basierende Fehl- und Mangelernährung der Betroffenen. Während der Typ-2-Diabetes medizinisch als chronisch fortschreitende Störung des Kohlenhydratstoffwechsels beschrieben wird und oft auch der Hinweis erfolgt, dass dieser chronischen Erkrankung durch eine fettarme Ernährung erfolgreich vorgebeugt werden kann, bleibt meistens leider die Information aus, dass bei richtiger Ernährung – und damit ist hier im besten Fall eine rein pflanzenbasierte, also vegane Ernährung gemeint – für viele Menschen sogar gute Chancen für die Heilung ihrer Diabetes-Erkrankung bestehen.
Heilungschancen von Diabetes durch die vegane ErnährungBereits im Jahr 1999 referierte der Wissenschaftler Dr. Hans Diehl ausgiebig über den Zusammenhang zwischen dem Konsum von tierischen Fetten und kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln und der Entstehung von Diabetes und kam dabei zu folgendem Ergebnis: Eine gut geplante vegetarische Ernährung – Diehls Empfehlung: »naturbelassene Nahrungsmittel, einfach zubereitet, keine zusätzlichen Fette und Öle und Zucker« – wirkt sich nicht nur vorbeugend auf eine Diabetes-Erkrankung aus, sondern kann diese sogar erfolgreich behandeln, und das sogar in den Maßen, als dass die Einnahme von Medikamenten bestenfalls komplett überflüssig wird. Dieses Ergebnis Diehls kann spätestens seit der im Jahr 2005 erstmals publizierten China Study als gesichert gelten, wobei die beiden Autoren dieser Studie anhand mehrerer wissenschaftlicher Ergebnisse überzeugend aufzeigen konnten, dass nichts wirksamer gegen Diabetes zu helfen scheint, als eine vegane (also komplett pflanzenbasierte) Ernährungsweise. Zur Auflockerung der für Laien trockenen Studienergebnisse führen sie auch besonders imposante Einzelfälle an. So berichten sie beispielsweise von einem Mann, der bereits seit 21 Jahren an Diabetes litt und der täglich 35 Insulineinheiten nehmen musste. Nach nur drei Wochen intensiver Ernährungstherapie konnte er seine Insulindosierung auf acht Einheiten täglichen reduzieren und nach weiteren acht Wochen sogar komplett auf Insulininjektionen verzichten. Und selbst bei Typ-1-Diabetikern konnte in anderen Studien durch eine Ernährungsumstellung erreicht werden, dass sie ihre Insulinmedikation durchschnittlich um 40% senken konnten (Typ-1-Diabetes ist generell schwerer therapierbar als Typ-2-Diabetes).
Die Zukunft der Diabetes-BehandlungDer gegenwärtige medizinische Konsens – der nach Diehl schon im Jahre 1999 weniger auf einem Mangel an wissenschaftlichen Erkenntnissen, denn auf einem Ausbleiben politischer Ansätze und Entscheidungen gründete – besagt, dass Diabetes eine im Krankheitsfall zwar behandelbare, aber doch generell unheilbare Krankheit ist. Ein Konsens, der auch in den nächsten Jahren weiterhin bestehen bleiben wird, wenn nicht der Einfluss tierischer Lebensmittel auf die Diabeteserkrankung stärker in den Forschungsfokus gerückt und geeignete Therapieansätze auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse umgesetzt werden. Effektiv vermeidbar und weitestgehend heilbar scheint Diabetes bereits nach jetzigen Erkenntnissen letztlich nur dann zu sein, wenn sich die Ärzte in der westlichen Wohlstandsgesellschaft zukünftig eindringlicher mit den Ernährungsgewohnheiten ihrer Patienten befassen und wenn die Verschreibung teurer Medikamente zugunsten einer kostengünstigeren und effektiveren Empfehlung einer pflanzenbasierten Ernährungsweise massiv zurückgefahren wird.
Sie möchten mehr über die vegane Ernährungsweise erfahren und sie ansatzweise oder sogar ausgiebig ausprobieren? Dann abonnieren Sie doch einfach unseren kostenfreien Ernährungsnewsletter, mit dem wir Sie regelmäßig mit vielen wertvollen Tipps zu dieser Form der Ernährung versorgen. Weitere fundierte und direkte Informationen zu Diabetes erhalten Sie zudem auf der Internetseite von Jack Norris, einem anerkannten Ernährungsspezialisten, der u.a. auch für sein Engagement bekannt ist, unseriöse Pro-Vegan-Argumente aufzudecken.
Vegetarische / vegane Ernährung und Diabetes in DeutschlandWir haben einige deutsche Diabetes-Organisationen kontaktiert, um herauszufinden, ob es offizielle Positionen zur Vorbeugung und Heilung von Diabetes durch die vegetarische / vegane Ernährungsweise gibt. Dies scheint bislang nicht der Fall zu sein. Unser Gesamteindruck ist, dass sich einige Organisationen durchaus bewusst sind, dass man hierbei zu spannenden Erkenntnissen kommen kann. Allerdings scheint man sich der Thematik bisher nicht sonderlich intensiv angenommen zu haben (mit der spärlichen Ausnahme eines Artikels des Ernährungswissenschaftlers Dr. Markus Keller, den die Deutsche Diabetes-Hilfe unter ihrer Rubrik Ernährungstipps bereits im Jahr 2010 veröffentlicht hat und der allen weiteren Organisationen als guter Ausgangspunkt für ihre Beschäftigung mit der Thematik dienen kann). Wir hoffen daher, dass unser Artikel dazu beiträgt, das Heilpotential der vegetarischen und veganen Ernährung näher zu untersuchen. Bei eventuellen Studien ist naturgemäß darauf zu achten, dass diese nicht von Unternehmen finanziert werden, die am Status quo verdienen.
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Die Antworten der Parteien aus NRW auf unserer Prüfsteine sind nicht nur für dortige WählerInnen interessant: Hier geht es zu den Ergebnissen.
Peter Arras ist Gründer und Geschäftsführer der AKT – Aktion konsequenter Tierschutz gGmbH. Die AKT betreibt die nach eigenen Angaben erste und bis heute noch immer größte und modernste Tierschutzstation für Exoten, Wild- und Kleintiere, eine Fachberatungsstelle für Tierschutz und Tierhaltung sowie das Institut für Mitweltethik. Lesen Sie, was Heidi Rätz, eine Wegbegleiterin und Mitbegründerin der AKT über die Arbeit von Peter Arras schreibt:
Zwei große braune Augen schauen geheimnisvoll unter dem Landteil hervor. Ihre Besitzerin ist Alexa, eine 120 cm lange Kaimandame. Dass sie nun neben ca. 400 anderen Tieren eine Anlage im pfälzischen Biedesheim bewohnt, befremdet heute nicht mehr so sehr wie noch vor 24 Jahren, als Peter H. Arras nicht nur die Erste Tierschutzstation für Exoten und Wildtiere ins Leben riefen, sondern auch begann, politisch dafür einzutreten, dass Alexa und Co. nicht zu so genannten Heimtieren degradiert werden.
Seit Kindesbeinen ist der Schutz von Tieren und Natur sein Hauptanliegen – stets nahm er alle möglichen Tiere auf, war Fan von Prof. Grzimek, dessen Zoologischer Gesellschaft er mit 10 Jahren beitrat. Damals war Tier- und Naturschutz noch ein Fremdwort. Mit 17 Jahren hielt er seine erste Rede in Stuttgart – »Zur Lage der Tiere« und begann, tierfachliche Tierschutzarbeit an schwierigen Tierarten und neuen Tierschutzthemen mit politischen und geisteswissenschaftlichen Bemühungen zu verbinden – bis heute. Die von ihm 1994 als gemeinnützige GmbH gegründete AKT- Aktion Konsequenter Tierschutz schuf noch zwei weitere Einrichtungen: Die Erste Fachberatungsstelle für Tierschutz und Tierhaltung sowie das INSTITUT FÜR MITWELTETHIK.
»Mitweltethik«– seine Wortschöpfung, stellt eine egalitär- biozentrische Bioethik dar, die sich beträchtlich von der in Tierschutzkreisen etablierten pathozentrischen Variante unterscheidet. Denn sie orientiert sich nicht danach, inwieweit Leidenfähigkeit bei Lebewesen nachgewiesen wurde, sondern kämpft für die Anerkennung der Vitalinteressen aller Lebewesen und Ökosysteme, woraus sich für den Menschen eine neue Sicht auf sich selbst und Tiere und Natur sowie Verpflichtungen ableiten.
Damit steht Arras ganz im Geiste Albert Schweitzers Ethik der »Ehrfurcht vor dem Leben«.
Die AKT kämpft konsequent gegen Anthropozentrismus und Speziesismus und beklagt seit jeher, dass auch innerhalb der Tierschützer unterschiedliche Wertmaßstäbe angelegt werden. So würden warmblütige Wirbeltiere zu Unrecht mehr geschützt als wechselwarme und Wirbeltiere mehr als Wirbellose, weil der Mensch aus emotionalen Gründen stets dazu neige, sich selbst zum Maßstab zu erheben, mit dem er alle anderen Lebensformen bemesse.
Früher waren unterrepräsentierte Tierschutzthemen wie Wildtiere in Menschenhand (Zoo, Zirkus, Heimtierhaltung – u. a. setzte sie 1994 die Schließung des Delfinariums im Hollidaypark Hassloch durch), Wechselwarme (Reptilien und Fische/Kiemenatmer) und Wirbellose (z. B. Hummer und Krebstiere) die Hauptbetätigungsfelder der AKT. U. a. veranstaltete sie die »Erste Demo für Fische in Europa« 1995. Heute befasst sich Peter H. Arras im Zuge seiner autodidaktischen Studien mit ganzheitlicheren und ursächlicheren Themen wie Humanpsychologie, Systemkritik, Philosophie und Globalökologie. Tierfachlich habe er genug geleistet, wie der vor allem diesbezüglich als kompetent bekannte Tierschützer anmerkt. »Die Tiere machen ja nichts verkehrt – wir müssen uns deshalb mit dem Aggressor – dem Menschen – auseinandersetzen«. So gab die AKT 1997 die Losung aus »Wir befassen uns mit der Frage, wie aus dem Täter Mensch ein menschlich Tätiger werden kann«,was sein 10jähriges autodidaktisches Studium der Disziplinen Anthropologie, Entwicklungspsychologie, Neurobiologie, Psychopathologie und Soziologie nach sich zog, mit der Folge, dass er die These der »Nuklearpsychologie« erdachte. Demnach sollen soziokulturell und psychosozial erworbene Defekte des Charakters aus dem angeborenen Anteil der Psyche (archaischer Nukleus) generiert werden können.
Der stets analysierende und im Interesse der Sache streitbare »Mr. AKT« versteht es, seine Ideen und Thesen eloquent und engagiert zu artikulieren, wovon ca. 150 profunde Ausarbeitungen zu unterschiedlichsten Themen, unzählige Stellungnahmen, Reden und Vorträge, Monographien und öffentliche Auftritte in den Medien (u. a. 480 Minuten TV-Präsenz), eine eigene Radiosendung über zwei Jahre etc., zeugen. So lautet das Motto der AKT »Dem Leben unsere Stimme leihen!«.
2010 trat der Allrounder mit einer revolutionären Idee an den EU- Agrarkommissar und die Öffentlichkeit heran, worin ihn die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt tatkräftig unterstützt: Die Bioreaktoren und –fermenter-Innovation. So sollen die Nährstoffe für die anwachsende Menschheit zukünftig überwiegend von Mikroorganismen erzeugt werden, und nicht mehr von Tieren oder nur von Pflanzen, was diese und die planetarische Biosphäre nachhaltig schone und regeneriere. Arras möchte hierzu eine Stiftung gründen, die ACE-All Compricing Ethics- Foundation, die auch die Erforschung von CPF–CelluloseProteinFermentationübernehmen soll, wofür er dringend Sponsoren benötigt.
Die Welt die IN und MIT dem Menschen ist zu heilen- darin sieht Arras seine Aufgabe. Der Mitweltethiker entwickelt bemerkenswerte Einsichten und unterstützenswerte Projekte, die unsere vollste Aufmerksamkeit verdienen, gilt es doch, zukunftsorientierte Lösungen zur Rettung des Lebens zu finden.
Die AKT- Website ist ein wahrer Kosmos – ein Besuch lohnt sich:
http://www.akt-mitweltethik.de
- Heidi Rätz
Zum heutigen internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche gehen wir der Frage nach, wie streng Tierversuche von der Genehmigung der Anträge bis hin zur Durchführung eigentlich gereglet sind – ein Aspekt, den die Tierversuchslobby immer wieder noch vorne stellt. Doch ist das haltbar? Die Genehmigungspraxis sieht jedenfalls so aus, dass Tierversuchsanträge von den zuständigen Kommissionen meistens durchgewunken werden. Tierschützer haben in den Ethikkommissionen nur ein Drittel der Stimmen und können sich daher fast nie durchsetzen. Es überrascht deshalb nicht, dass die Tierversuchszahlen seit Jahren kontinuierlich steigen:
So viel zu dem, was allgemein bekannt ist. Viel weniger wissen wir dagegen davon, wie Tierversuche in der Praxis genau ablaufen: Die Versuche werden zwar in den Anträgen beschrieben, doch dass die Realität ganz anders aussehen kann als das, was in einem schriftlichen Antrag vermittelt wird, liegt auf der Hand. Um Missstände aufzudecken, bedarf es Undercover-Recherchen oder Glück. Glück hat man, wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des zuständigen Veterinäramts nicht nur ernsthaft daran interessiert sind, Tierleid zu reduzieren, sondern auch den Mut und die Rückendeckung ihrer Vorgesetzten haben, ihre Kompetenzen auch durchzusetzen. Solches Glück ist in ganz Deutschland rar, wie wir aus vertraulichen Gesprächen mit Involvierten wissen. Das überrascht auch nicht, denn das Ungleichgewicht ist dasselbe wie in der Massentierhaltung: Die Tiernutzer können gegen unliebsame Entscheidungen des Veterinäramtes den Rechtsweg einlegen und sich durch alle Instanzen klagen. Die Tierschützer können nichts tun. Sie haben kein Klagerecht und können somit kaum Druck auf die Veterinärämter ausüben. Wie sich ein überarbeiteter Amtsveterinär mit Sparzwang in solchen Situationen entscheidet, ist klar: Er geht den Weg des kleineren Widerstands, um aufwendigen und teuren Gerichtsverfahren aus dem Weg zu gehen.
Tierversuche in der Praxis: seltener EinblickEinen seltenen Einblick in die Praxis der Tierversuche verschaffen uns Dokumente aus einer Aufsichtsbehörde, die an die taz gelangt sind. Darin werden Missstände im Max-Delbrück-Centrum für molekulare Medizin (MDC), einer der größten deutschen Tierversuchsanlagen, aufgeführt. Die taz fasst zusammen: »Pfleger ließen Versuchstiere verhungern, schwerverletzte Mäuse mussten tagelang leiden, Hamster wurden ohne Genehmigung gehalten«. Den gesamten Artikel finden Sie hier. Die Tierversuchslobby wehrt sich genauso wie die Massentierhaltungslobby: Es handle sich um bedauerliche Einzelfälle – ein Totschlagargument, denn wer kann schon eine Vollerhebung durchführen und die Ergebnisse veröffentlichen? Die Ressourcen und die Ermächtigung dazu hat niemand.
Abschaffung der TierversucheTrotz fundierter Kritik am Prinzip Tierversuch ist nicht damit zu rechnen, dass Tierversuche auf absehbare Zeit abgeschafft werden. Da es an politischen Lippenbekenntnissen zum Ziel der Reduzierung der Tierversuchszahlen nicht mangelt, muss man etwas genauer hinschauen, wenn man verstehen will, ob sich ein Politiker wirklich einsetzt. Wesentliche Fragen sind: Sollen die Ethikkommissionen mindestens zur Hälfte mit Tierschützern besetzt werden (Reduzierung des Stimmanteils von Tierexperimentatoren)? Und: Sollen anerkannte Tierschutzorganisationen ein Klagerecht erhalten, wie es die verfassungsmäßig gleichrangig gestellten Umweltschutzorganisationen schon lange haben? Politiker und Fraktionen, die mindestens eine dieser Fragen mit nein beantworten, nehmen sich nach unserer Auffassung dem Problem der ständig steigenden Tierversuchszahlen nicht ernst genug an. Die Antworten der Parteien auf unsere Wahlprüfsteine sind nicht nur dahingehend interessant.
Schon seit acht Jahren wehrt sich die Bürgerinitiative Kontra Industrieschwein erfolgreich gegen die Inbetriebnahme der Mega-Mastanlage in Haßleben, in der erst 84.000 und nach Einwendungen gegen zu große Umweltbelastungen 67.000 Tiere gehalten werden sollen. Wir unterstützen die Bürgerinitiative dabei mit Rat, Tat und Geld, denn Haßleben ist längst zu einem Symbol für unsere Bewegung geworden. Wir sind uns sicher, dass ein Erfolg der Bürgerinitiative viele weitere Menschen motivieren würde, sich gegen die Massentierhaltung zu engagieren.
In der Frage, ob die Mega-Mastanlage genehmigt wird, haben sich Umweltaspekte als die wichtigsten Punkte herauskristallisiert, obwohl auch viele weitere Gründe ausreichen, die Mastanlage zu verbieten. Insbesondere ein Gutachten, das besagt, dass das umliegende Moor durch die Güllebelastungen der Mastanlage unwiederbringlich zerstört würde, wurde zu einem entscheidenden Puzzleteil. Dieses Gutachten wurde zwischenzeitlich durch ein zweites Moorgutachten in allen wesentlichen Punkten bestätigt.
Van Gennip stockt abAufgrund dieser Situation war für alle Beteiligten davon auszugehen, dass die Wiederinbetriebnahme der in DDR-Zeiten gebauten Mastanlage verboten werden würde. Auch dem niederländischen Investor van Gennip wurde dies offensichtlich klar, denn vor wenigen Tagen änderte er plötzlich seinen Antrag ab: er wolle nun nur noch 36.000 statt 67.000 Schweine halten.
Haßleben-Erfolg wird immer wahrscheinlicherDer eigentliche Erfolg ist aber höchstwahrscheinlich ein anderer als die Halbierung der Tierzahl: Wir gehen davon aus, dass van Gennip seinen Antrag aus juristischen Gründen nicht so kurz vor der Entscheidung noch nachträglich ändern darf, sondern einen neuen Antrag stellen müsste. Ob er diesen neuen Antrag stellen würde, ist aber fraglich, denn die juristischen Rahmenbedingungen haben sich zwischenzeitlich zu unseren Gunsten geändert und würden dann greifen. Zur Erläuterung: Es zählt immer der Rechtsstand zum Zeitpunkt der Beantragung, weshalb van Gennip unter dem jetzt geltenden Rechtsrahmen deutlich größere Schwierigkeiten hätte, eine Genehmigung zu erhalten. Es wurden inzwischen die Beteiligungs- bzw. Mitspracherechte der Anwohner und Umweltverbände und einige Regelungen zum Umweltschutz verbessert.
Unser Zwischenfazit: Alles läuft in die richtige Richtung, nur ein finales Ergebnis hätten wir lieber heute als morgen.
Die Antworten der Parteien aus Schleswig-Holstein auf unserer Prüfsteine sind nicht nur für dortige WählerInnen interessant: Hier geht es zu den Ergebnissen.
Der bekannte Philosoph Arthur Schopenhauer brachte es bereits im 19. Jh. in seinen Betrachtungen über »Die beiden Grundprobleme der Ethik« auf den Punkt: Die in der Philosophie besonders seit René Descartes* vorgenommenen Bemühungen, »zwischen Mensch und Thier eine ungeheure Kluft, einen unermeßlichen Abstand zu eröffnen«, finden sich auch »auf dem populären Wege«, und zwar in der »Eigenheit mancher Sprachen, namentlich der deutschen, daß sie für das Essen, Trinken, Schwangerseyn, Gebären, Sterben und den Leichnam der Tiere ganz eigene Worte haben«. Worte, die nach Schopenhauer die »vollkommene Identität der Sache verstecken« und mit denen daher gerade auch mit der Alltagssprache eine tiefe Kluft zwischen Mensch und Tier begründet wird. Worte, die Schopenhauer zudem als einen »Kunstgriff […] Europäischer Pfaffenschaft« bezeichnete, der zuzurechnen sei, dass sie mit eben diesem Kunstgriff »den Grund gelegt hat zu der in Europa üblichen Härte und Grausamkeit gegen Thiere«.
Die Sprache der Gegenwart: Abwertung von TierenWenngleich sich auch spätestens seit Albert Schweitzer die Kluft zwischen Mensch und Tier nicht nur in der Philosophie zumindest in einigen vielversprechenden Ansätzen verkleinert hat: In vielen Alltagssprachen bedienen sich die meisten Menschen nach wie vor – ob bewusst oder unbewusst – des von Schopenhauer hervorgehobenen Kunstgriffs, womit die von ihm bemängelte Kluft weiterhin laufend in kulturellen Breiten aufrecht erhalten wird. Völlig unerheblich, inwieweit die These Schopenhauers stimmt, dass dieser Kunstgriff auf die »Europäische Pfaffenschaft« zurückzuführen sei: Allein in Deutschland »fressen«, »saufen«, »werfen« und »verenden« Tiere auch heute noch nach Ansicht vieler Menschen, anstatt zu essen, trinken, gebären und zu sterben. Auch werden Tiere hier nicht als schwanger, sondern als »trächtig«, und ein totes Tier nicht als Leichnam, sondern als »Kadaver« oder »Aas« bezeichnet. Zwar »fressen« und »saufen« durchaus auch Menschen, doch dies immer nur dann, wenn jemandem ein besonders übertriebenes und/oder widerwärtiges Konsumieren von fester wie flüssiger Nahrung zugeschrieben wird.
Doch liefert die Sprache der Gegenwart noch viele weitere Begriffe und Ansätze, die für eine dauerhafte Abwertung von Tieren sorgen und die darüber hinaus auch oft vergessen machen, dass es sich z.B. bei bestimmten, gern konsumierten »Produkten« ehemals um Lebewesen gehandelt hat.** So spricht etwa kaum ein Mensch davon, dass er gerne getötetes und kleingehacktes Rind oder Schwein zu sich nimmt. Stattdessen aber schwärmt er von Buletten, Frikadellen und in rohem Zustand auch von Mett, allenfalls von Hackfleisch. Hinzu kommt eine Vielzahl von Ausdrücken, die durch den tierischen Wortbestandteil einen meist als negativ verstandenen Sachverhalt unmissverständlich beschreiben oder sprachlich verstärken sollen (»schweinekalt«, »saudumm«) oder die dadurch als besonders beleidigend aufgefasst werden (»dummer Hund«, »blöde Sau« oder einfach nur »Affe«). Durch die oft erfolgende sprachliche Zusammenfassung von bestimmten Tieren zu Herden, Schwärmen oder Gruppen wird zudem laufend die Individualität vieler Tiere schlichtweg untergraben. Und nicht zuletzt sorgen vor allem sogenannte Euphemismen dafür, dass grundsätzlich zweifelhafte Vorgänge und Sachverhalte verschleiert, verschönert oder aufgewertet werden und dass Tiere so etwa im allgemeinen Verständnis nicht getötet/ermordert werden, sondern »geschlachtet« oder – Sanftheit suggerierend – »eingeschläfert«.***
Wie sollte man mit den sprachlichen Gegebenheiten umgehen?Gerade für Tierschützer und Tierrechtler stellt sich bei ihrem tagtäglichen Einsatz für das Leben von weltweit Milliarden von Tieren die Frage, wie sie mit den kulturell gefestigten Eigenheiten ihrer jeweiligen Sprachen am besten umgehen sollten. Vor allem der Umstand, dass sie mit ihrer Arbeit zwar auch langfristig einer Verbreiterung der Kluft zwischen Mensch und Tier entgegenwirken wollen, dass aber im Vordergrund ihrer Arbeit doch meist eher der Wunsch steht, die bestürzenden Sachverhalte im menschlichen Umgang mit Tieren durch klare, unverschleierte Worte direkt im Hier und Jetzt unmissverständlich offenzulegen, führt dabei in einem ersten Ansatz nicht selten zu der Ansicht, dass allein der offensivste Weg die beste sprachliche Strategie sei. Eine Ansicht, die im Übrigen auch gerne von vielen Neuvegetariern/-veganern geteilt wird. Doch zeigt unsere Erfahrung, und die vieler weiterer Tierschützer und Tierrechtler, dass dieser Ansicht mit großer Vorsicht begegnet werden sollte. Sein fleischessendes menschliches Gegenüber beispielsweise lautstark als »Mörder« zu bezeichnen und es zudem mehrfach mit Nachdruck darauf hinzuweisen, dass es sich kulinarisch grundsätzlich an »Leichen« vergeht, führt in so gut wie sämtlichen Fällen zu mehr oder minder starken Abwehrreaktionen und letztlich nur dazu, dass diese Menschen vermutlich auf ewig der Thematik gegenüber versperrt bleiben. Den Tieren ist mit einem solchen Ansatz wenig geholfen, eine moderate Sprachwahl ist somit empfohlen.
»Fleischfrei« statt »vegetarisch«Wie sehr tatsächlich in Bezug auf die Sprachwahl zu empfehlen ist, möglichst keine Worte zu verwenden, die bei unseren Gesprächspartnern mit negativen Wertungen einhergehen oder die sie direkt in ihrer Identität ansprechen, belegt auch ein Report der bereits im Jahr 2008 in England vom Handelsmagazin »The Grocer« veröffentlicht wurde. So zeigte sich, dass Konsumenten eher dazu bereit waren, zu vegetarischen Produkten zu greifen, wenn diese nicht mit dem Begriff »vegetarisch«, sondern mit »fleischfrei« angepriesen wurden, woraufhin sich in den letzten vier Jahren zunehmend mehr britische Hersteller vegetarischer Produkte mit Erfolg für die Verwendung dieses Begriffs entschieden haben. Für die tägliche Konversation ergibt sich aus diesem Beispiel durchaus der Ansatz, in entscheidenden Momenten lieber von »fleischfrei« statt von »vegetarisch« zu reden und auch weniger dazu aufzurufen, Vegetarier oder Veganer zu werden, sondern stattdessen seinen Gesprächspartnern zu empfehlen, es mit einer fleisch- oder tierproduktfreien Ernährungsweise zu versuchen.
Aktive Arbeit an der SpracheGehört die Bewältigung der sprachlichen Hürden bei der täglichen Konversation auch zu den Hauptaufgaben der Tierschutz- und Tierrechtsarbeit, so sollte sich definitiv auch stärker damit beschäftigt werden, wie vor allem auf die allgemeine und häufig wertkonservative Alltagssprache langfristig Einfluss genommen werden kann und wie Veränderungen zugunsten einer positiven und respektvolleren Einstellung Tieren gegenüber herbeigeführt werden können. Ein vielversprechender Ansatz dazu wurde kürzlich – ebenfalls im englischen Sprachraum – erneut zur Diskussion gestellt. Demnach kann den Tieren einerseits schon dadurch geholfen werden, indem ein jeder auf problematische, zweifelhafte Ausdrücke ganz einfach komplett verzichtet (statt »schweinekalt« etwa, lässt sich auch einfach »kalt«, »sehr kalt« oder auch – umgangssprachlicher – »übelst kalt« sagen). Andererseits kann aber z.B. auch versucht werden, gängige Sprichwörter so umzuwandeln, dass sie den Respekt nichtmenschlichen Tieren gegenüber fördern, unsere Gleichheit betonen und gleichzeitig auf die Misshandlungen verweisen, denen die Tiere in unserer Kultur täglich ausgesetzt sind. Als Beispiel dafür wurde das englische Sprichwort »Kill two birds with one stone« (»Zwei Vögel mit einem Stein erschlagen«) ausgewählt, dass vom Sinn her dem deutschen Sprichwort »Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen« entspricht und das einfach in »Free two birds with one key“ (»Zwei Vögel mit einem Schlüssel befreien«) umgewandelt werden kann. Gerade auch im deutschen Sprachraum sollten zukünftig solche sprachlichen Umwandlungen verstärkt in Erwägung gezogen, diesbezügliche Studien und Ansätze präsentiert und die sprachlichen Neuansätze vor allem von jedem einzelnen, dem etwas an den Tieren liegt, praktisch erprobt und angewendet werden.
Abschließend: Wenn der Sprache eine entscheidende Macht zugeschrieben werden kann, die große Kluft zwischen Mensch und Tier zu begründen und aufrechtzuerhalten, so sollte umgekehrt auch angenommen werden, dass eine sprachliche Macht besteht, diese Kluft zu verkleinern und sie eines Tages vielleicht sogar Geschichte werden zu lassen. Für den Tierschutz und das Tierrecht besteht somit eine der größten Aufgaben der Zukunft u.a. auch darin, Sprache als eines der bedeutendsten Phänomene der Grenzziehung zwischen Mensch und Tier ernst zu nehmen und in gemeinsamen Ansätzen an ihrer Veränderung zu arbeiten. Je nachdem wie gut uns das gelingt, werden wir nicht nur gegenwärtigem, sondern auch zukünftigem Tierleid entscheidend entgegentreten können.
* René Descartes (16./17. Jh.) war der verhängnisvollen Ansicht, dass Tiere gefühllos wie Maschinen seien, eine Ansicht, die einen absolut gewissenlosen Umgang mit Tieren rechtfertigt und daher viel Leid für die Tiere seit Descartes mit sich brachte.
** Generell geht durch die sprachliche Trennung von Mensch und Tier außerdem die Auffassung dafür verloren, dass auch Menschen »bloß« Tiere sind.
*** Wie mächtig gerade Euphemismen sein können, wird letztlich auch an so schier unglaublichen Begriffen wie »Kleingruppenhaltung« oder »Ferkelschutzkorb« deutlich, mit denen gerade die Agrarindustrie bewusst die Tatsache zu verschleiern sucht, dass Hühner bzw. Schweine dazu gezwungen werden, ihr Leben unter elendigen Bedingungen in engen Käfigen zu verbringen.